Interview mit Michael Kessler von energieheld – Digitalisierung im Handwerk

Interview mit Michael Kessler von energieheld – Digitalisierung im Handwerk

malertrynoga fragt.

So. Jetzt drehen wir mal den Spieß um. Und ich denke, dass könnte in Zukunft öfters passieren. Nachdem ich zu dem Thema Digitalisierung im Handwerk aus der Sicht des Malers reden durfte, darf ich jetzt einen Experten zum Thema Digitalisierung im Handwerk interviewen: Michael Kessler von energieheld.

Zunächst eine kurze Einführung, was energieheld überhaupt so macht…

Seit 2012 können Hausbesitzer auf www.energieheld.de alle Infos rund um die energetische Sanierung ihres Eigenheims finden. Wer ein konkretes Vorhaben hat, beispielsweise die Dämmung des Dachs, stellt dort eine Anfrage und wird an einen Handwerker vermittelt, der die Sanierung umsetzen kann. So hat Energieheld täglich mit über 1000 Handwerkspartnern zu tun und kennt deren Wünsche und Probleme beim Thema Digitalisierung sehr gut. Michael Kessler ist Geschäftsführer von Energieheld und spricht im Interview darüber, wie Handwerker leicht und unkompliziert digitaler werden können.

Michael Kessler von energieheld.de

Michael Kessler im Expertengespräch – Digitalisierung für Handwerker

Sascha Trynoga: Hallo Michael, der Begriff Digitalisierung wird gerne von Politikern und Vorstandschef benutzt. Was genau muss man sich darunter vorstellen?

Michael Kessler (Energieheld): Hallo Sascha, die Digitalisierung beschreibt eigentlich nur den nächsten Schritt in der wirtschaftlichen Entwicklung. Computer, Smartphones und Internetanschluss haben die Arbeitswelt und die Art, wie wir Wirtschaften und miteinander kommunizieren komplett verändert. Das Besondere ist dabei, wie Abläufe heute verknüpft werden können, die früher nach- oder nebeneinander gelaufen sind. Im Idealfall kann so effektiver und schneller gearbeitet werden. Tastsächlich ist es natürlich komplizierter und die ganzen digitalen Veränderungen bringen neben diesem Potential auch neue Aufgaben und Probleme mit sich.

Sascha Trynoga: Warum kennt sich Energieheld eigentlich mit dem Thema Handwerk 4.0 aus? Seid ihr nicht eher für energetische Gebäudesanierung zuständig?

Michael Kessler (Energieheld): Das ist eine sehr gute Frage! Energieheld hat vor fast sechs Jahren angefangen, Hausbesitzer bei der energetischen Sanierung zu unterstützen. Auf unserer Website können sie sich über die Sanierungsmöglichkeiten informieren und bei uns eine Anfrage zu ihrem Vorhaben stellen. Wir vermitteln diese konkreten Sanierungsanfragen dann an unsere Handwerkspartner weiter. Dadurch haben wir natürlich selbst viel Erfahrung mit der digitalen Arbeitswelt gesammelt und vor allem die Handwerksbetriebe beim digitalen Wandel begleitet. Im Austausch mit den Handwerkern bekommen wir täglich mit, welche Wünsche und Anforderungen in ihrem Alltag auftauchen. So kam es dazu, dass wir unsere IT-Abteilung eine Software nur für Handwerker entwickelt hat.

Sascha Trynoga: Welchen Nutzen hat ein normaler Handwerksbetrieb von der Digitalisierung?

Michael Kessler (Energieheld): Auf den ersten Blick denkt man sich natürlich: Was soll das? Ein Handwerker hat doch den analogsten Beruf überhaupt und braucht keine Technik, sondern seine beiden Hände und vernünftiges Material. Aber Handwerker führen auch Büros, schreiben Rechnungen, fotografieren Baumängel und nutzen die Navigation in ihrem Smartphone, wenn Sie zum Kunden fahren. Das alles sind heute schon digitale Prozesse, die wir in einer Software zusammengefasst und auf die Bedürfnisse der Handwerker zugeschnitten haben. Wenn digitale Möglichkeiten nicht zum Selbstzweck genutzt werden, sondern wirklich Aufgaben erleichtern, hat der Handwerker mehr Zeit für das Wesentliche: Die Arbeit vor Ort. Dann ist auch der Kunde zufrieden und das ist das Wichtigste.

Sascha Trynoga: Handwerker sind Praktiker und müssen durch die Qualität ihrer Arbeit überzeugen. Warum braucht ein Handwerksbetrieb dann überhaupt eine Software oder App?

Michael Kessler (Energieheld): Handwerkliche Fachkenntnisse und Erfahrung in der Projektumsetzung sind das A und O. Jeder Betrieb, der gut ausgebildete Fachkräfte einsetzt und Wert auf ein hochwertiges Ergebnis für seine Kunden legt, macht bereits alles richtig. Die Software ist dazu da, Zeit und Aufwand für die Handwerker einzusparen. Die klassische Zettelwirtschaft in den Betrieben sorgt auch dafür, dass der ein oder andere Auftrag liegen bleibt, Zahlungen nicht eingefordert werden oder eine Bestellung beim Großhändler vergessen wird. Wenn alles digital eingepflegt und den jeweiligen Kunden zugeordnet ist, wird das Arbeiten übersichtlicher und so auch schneller und effektiver. Angebot, Rechnung und Kalkulation mit ein paar Klicks zusammenstellen und dem Kunden schicken, die Krankschreibung der Mitarbeiter verwalten oder in der Zeiterfassung sehen, wer eigentlich wann und wie lange an welchem Projekt gearbeitet hat – das kann eine Handwerkersoftware mit passender App problemlos leisten.

Sascha Trynoga: Was wird auf Handwerker in den nächsten Jahren zukommen, wenn der digitale Wandel die Geschäftsprozesse so verändert?

Michael Kessler (Energieheld): Hm, ich denke, der Kontakt und Kommunikation mit dem Kunden wird noch digitaler werden. Immer mehr Verbraucher informieren sich im Internet über Handwerker und suchen nach Referenzen für ihr gewünschtes Projekt. Eine Website, auf der Kunden alle Infos zum Handwerksbetrieb finden und im besten Fall direkt ein Angebot einfordern können, wird noch wichtiger. Aber auch das Bestellen von Material und die normalen Büroabwicklungen sind langfristig nur noch digital möglich. Diese Entwicklungen können sehr einschüchternd wirken und vielleicht sogar einige Handwerksbetriebe zunächst überfordern, aber das müssen sie nicht. Gute Handwerksarbeit bleibt wichtig, darauf können Betriebe setzen. Und für den Weg in die Digitalisierung können sie sich einfach Hilfe holen und sind mit ein paar Veränderungen auf dem aktuellen Stand. Aber auch die Sorgen um hohe Investitionskosten oder Datenschutz dürfen nicht wegdiskutiert werden. Deshalb ist wichtig: Vorher gründlich informieren und abwägen, welche Maßnahme zum Betrieb passt, sinnvoll und vor allem seriös ist. Dann ist der Betrieb auch in Zukunft gut ausgerüstet.

Sascha Trynoga: Lieber Michael, vielen Dank für das spannende Gespräch.

Michael Kessler (Energieheld): Das kann ich nur zurückgeben! Es hat großen Spaß gemacht und war hoffentlich auch hilfreich.

Bildnachweis: alle Bilder wurden uns von energieheld.de zur Verfügung gestellt.

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