Böse Dämmung

Böse Dämmung

Wenn ich solche Artikel über das Thema Dämmung und Schimmel lese, balle ich des öfteren die imaginäre Faust in der Tasche.

Zunächst finde ich die Berichterstattung sehr einseitig und etwas, wie sag ich es am Besten, sehr einfach. Wer ist Schuld am Schimmelproblem? Die Dämmung, die Industrie, die Handwerker. Etwa in der Reihenfolge. Wobei der Handwerker nicht explizit genannt wird, aber wir sitzen trotzdem mit in diesem Boot.

Fangen wir zunächst mal mit den, im Artikel genannten „Fakten“ an.

Denn die massive Dämmung dichtet Häuser meist so stark ab, dass kaum Heizenergie nach außen dringen kann. Das birgt aber auch die Gefahr, dass sich Feuchtigkeit aus der Raumluft an den Innenseiten der Wärmedämmschicht niederschlägt. Als Folge kann es zu einem zunehmenden Schimmelpilzbefall kommen.

Die Dämmung dichtet das Haus so stark ab, dass keine Heizenergie nach außen gelangen kann. Alle Achtung! Das ist Sinn und Zweck einer Dämmung. Der nächste Punkt ist entweder unglücklich formuliert oder fachlicher Schwachsinn. Die Innenseite der Wärmedämmschicht ist bei einer Aussendämmung: außen. Genauer gesagt, zwischen Mauerwerk (Aussenseite) und Dämmschicht (Rückseite). Also, ich zitiere: „…Feuchtigkeit aus der Raumluft an der Innenseite der Dämmung niederschlägt.“. Alles klar?

Ein normales Mauerwerk lässt nur ca. 2% der Raumluft durch, ‚tschuldigung, ich meinte: atmen. Wände atmen heutzutage. Hierzu ein kleiner Exkurs in die Geschichte der Luftdichtigkeit von Gebäuden: Die Geschichte der Luftdichtigkeit.

Weiter im Text:

Doch die Gefahr liegt nicht nur im Inneren, auch von außen droht der Schimmelpilzbefall und zwar zwischen Dämmmaterial und Hauswand. „Auf dem hauchdünnen Putz, mit dem Wärmedämmverbundsysteme versehen sind, schlägt sich morgens Tauwasser nieder“

Das ist ein Zitat eines Bauchsachverständigen. Er hat Recht. Der Autor des Artikels nicht. Haben Sie mal Wasser auf eine Styroporplatte gekippt?  Das eigentliche Problem mit dem Tauwasser ist der Algen- und Moosbefall der Fassaden. Das bekannte Vergrünen mancher gedämmter Objekte. Dies ist oberflächig. Und nicht schön.

Natürlich gibt es auch „abgesoffene“ Dämmungen. Das heißt, hinterfeuchtete Dämmschichten. Ursachen: Pfusch, Pfusch und Pfusch.

Warum mich dieser Artikel wütend macht?

Weil er laienhaft recherchiert wurde. Er verallgemeinert. Die böse Dämmung ist schuld!

Alternativen? Ja, in den USA werden, laut Artikel,  hinterlüftete Fassadendämmungen benutzt. Hierzulande auch. Fahren Sie mal nach Ostfriesland. Dort sind viele Fassaden hinterlüftet und verklinkert. Auch gedämmt. Ich meine keine Klinkerriemchen. Richtige Klinker. Das übrigens, schon seit geraumer Zeit. Nicht erst seitdem der Ami das macht. Will sagen: auch wir Deutschen kennen Alternativen. Oder?

Damit kommen wir zum nächsten Punkt: Wer soll das bezahlen? Das Hauptproblem. Billig will ich, Geiz ist geil. Eine vernünftige Dämmung kostet Geld. Viel Geld. Styropor ist Billigware. Dünne Putzsysteme sind Billigware.

Schon eine doppelte Armierungsschicht auf einer Styropordämmung bekommt z.B. das Tauwasserproblem in den Griff. Wo mehr mineralisches Material ist, kann mehr Feuchtigkeit reguliert werden. Aber: das kostet ja das Doppelte. (Nebenbei ist eine doppelte Armierungsschicht in Sachen Stossfestigkeit der Knaller. Wortwörtlich. Schmeissen Sie den Carbon-SchnickSchnack in die Tonne.)

Dämmung mit Holzfaserplatten. Natürlicher Rohstoff. Kein Sondermüll. Teuer im Vergleich zu Styropor. Oder Mineralwolle? Auch teurer. Die brennt im übrigen auch nicht.

Angebot und Nachfrage. Das ist das Problem. Styropordämmungen sind günstig, die Preise für die ausführenden Firmen oft ein schlechter Scherz. Wer für 50,-€/m² sein Haus dämmen lässt, sollte sich nicht wundern, dass in der Eile ein paar Detailanschlüsse und Abdichtungen „vergessen“ werden.

Achja. Und richtig lüften sollte man auch. Aber wer macht das nicht?

So. Das musste raus. 🙂

3 Comments

  • Das ist ja leider nicht der erste (und wahrscheinlich auch nicht der letzte) Artikel den auflagengeile und fachfremde Schmierfinken in der Presse veröffentlichen. Schlimmer wird es, wenn sich Sachverständigenverbände auf solchem Niveau äußern. Die sollten es doch wirklich besser wissen… http://www.baupraxis-blog.de/schwachverstaendige-sachverstaendige

    22. Februar 2012 at 21:04

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